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Thema: Knarzende Federung


Hallo zusammen,

ich fahre seit zwei Wochen eine Tour, die ich bei Mistwetter (3 Grad, Schneeregen) aus Köthen nach Berlin gefahren habe. Bei der Probefahrt sind mir Geräusche beim Einfedern (hinten) nicht aufgefallen, jetzt hier in Berlin knarzt es furchtbar, wenn die Hinterachse ein- oder ausfedert. Ich habe es schon bei allen sichtbaren bewegten Teilen mit Silikonöl versucht, aber es hat sich nicht der Hauch von Verbesserung gezeigt. Hat jemand von euch eine Idee?

Gruß Ingo



Moin! Umlenkung zerlegen, sauber machen und mit einem anständigem Fett wieder montieren! "Silikonöl"??? (kopfschüttel, schmunzel)



Wieso "Kopfschüttel"? Silikon ist was Feines, wenn Kunststoffe oder Gummi (bei Buchsen ja nicht ganz so fernliegend) im Spiel sind, deren Material man nicht kennt (könnte ja empfindlich auf mineralölhaltige Produkte reagieren, z.B. aufquellen und dann knarzen ...) oder wenn man nicht alles flächendeckend mit Sprühöl, an dem dann jeder Dreck hängenbleibt, einsauen will.

Beruht denn dein Tip auf Erfahrung (d.h. es gab mal diese Geräusche, nach Demontage und Fetten waren sie weg?) oder ist das schlichte Vermutung und allgemeintherapeutischer Vorschlag? Wird das Fett aus den Buchsen ausgewaschen oder gehen die Bolzen fest?

Gruß Ingo



Hallo Ingo,
ich nehme an, Du hast sie gebraucht erworben (Probefahrt). Laufleistung? Kette schon mal gewechselt worden, wie oft? ... Weist evtl. nicht genau, was vorher gemacht wurde oder auch nicht.
Daher hat Gero schon Recht, die Umlenkung ausbauen, säubern, fetten. Aber eben auch die Schwinge rausnehmen (was man immer bei Ketten(Kit)wechsel macht, wenn's 'ne Endloskette ist), Lager fetten, Fett zwischen die Lager bringen (als innere Reserve). Bolzen der Umlenkung können bei mieser Wartung schon mal festgammeln, wurde hier schon besprochen.
Stimmt die Kettenspannung? Eher leicht lockerer stellen als angegeben. Wird bei Einfedern straffer! Dann aber regelmäßig Schwingenschutz (Kettenschleifer) kontrollieren.

Ich stimme Dir allerdings auch bzgl.Silikonöl zu, gerade bei Kunstoffen oder Gummi, da hat Du vollkommen Recht, hat bei meinen Skorps auch schon einiges geholfen (allerdings nicht Umlenkung).
Aber vielleicht knarzt es ja auch gar nicht in der Umlenkung/ Schwingenlager, sondern irgendwo, was mit dem Heckeinfedern leicht bewegt wird, z.B. Leitungen am Rahmen. Sitzt Du dabei auf dem Sitz (wahrscheinlich), guck mal da nach, evtl. hilft da schon Silikonöl ...

Gruß aus der Oberlausitz



Hallo Jürgen,

die Laufleistung ist 16.000, dem optischen Zustand, dem Wartungsheft (!) und den Fahrverhalten zufolge ist das auch nachvollziehbar, der Vorbesitzer ist aber nicht derjenige, der die MZ wirklich gefahren ist (angeblich für den Sohn gekauft, der die dann nicht wollte - na ja...). Das Ritzel ist ziemlich angegangen, das Kettenrad scheint neu, Kettenspannung ist eher lasch (aber wer wechselt schon als MuZ-Vertragswerkstatt nur das Kettenrad? Sehr seltsam!).
Das Geräusch ist so heftig, dass es kaum durch Verkleidungsteile o.ä. entstehen dürfte, außerdem trat es direkt, nachdem ich zu Hause angekommen war (nach 2 Stunden Regen, das Wasser stand mir in den Stiefel) auf, deswegen kann es eigentlich nicht der klassische Gammel im Buchsen/Lagerbereich sein (dachte ich) - ich werd mal die Umlenkung auseinandernehmen und fetten. Wie ist denn die Schwinge gelagert - Nadellager, Buchsen, hat jemand mal Schmiernippel angebracht?

Gruß Ingo



Ingo,
Schwinge ist nadelgelagert (6x, mit Lagerbuchsen), die ganze Konstruktion ist eigentlich sehr gut. Also, wenn schon die Umlenkung draußen ist, die Schwinge auch rausnehmen und fetten.
Kenne niemanden, der Schmiernippel montiert hat.
Tipp: Bremssattel vom Gegenhalter abschrauben (Bremsleitung dranlassen) bevor das Hinterrad ausgabaut wird, und zuletzt wieder dran!
Anzugsmomente
Schwinglagerbolzen: 100 Nm
Zugstrebenschrauben: 40 Nm
Stoßdämpfer oben+unten: 40 Nm
Hinterradachse: 100 Nm
Bremssattel hinten: 50 Nm

Merke: Nach fest kommt ab!
Schicke Dir mal die Übersicht.

Gruß aus der Oberlausitz



@Ingo
Das Problem kenn ich. Hatte ich auch. Ist die Lagerung des Umlenkhebels. Nach einer Mistwetterfahrt drinkt Wasser in die Lager ein und die laufen dann trocken. Man kann das leicht vertuschen, indem man die Lager ordentlich mit Kriechöl einsprüht. Das hält dann bis zum nächsten Regen. Also den Umlenkhebel ausbauen, reinigen und ordentlich einfetten (wenn die Lager noch in Ordnung sind). Haben sie Spiel hilft nur noch der Austausch. Lange Warten würde ich damit aber nicht.
Gruß Mike



Wenn's das Kugelgelenk im Umlenkhebel ist, ist Einsprühen mit Caramba der beste Weg zum Suizid.

Das Gelenk ist ein Schwachpunkt und frist gerne fest.
Dann ist kaputt.
Wenn ihr's jetzt einsprüht bewegt sich lediglich der Bolzen, nicht aber die Gelenkkugel. Spätestens wenn die Wirkung des Sprühöls nachläßt habt ihr wieder einen wunderschönen Reibungsdämpfer (der Knarzt und quietscht).
Geradeaus auf der Autobahn spielt solch eine völlige Überdämpfung kaum eine Rolle. In einer Kurve mit unebenen Fahrbahnbelag kann man damit aber wunderschön auf die Fresse fallen.

Fahr mit dem Rochen keinen Meter mehr, bevor Du nicht das Gelenk überprüft hast!
Wenn's dann doch bloß die Verkleidung war...-umso besser.

Mit dashabichdochallesschonmalerzähltigen Grüßen
Jörg





Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank für die Tips und die PDFs von Jürgen. Ich habe eben die Umlenkung wieder montiert (natürlich fein gefettet) und das Knarzen ist weg; woher es nun kahm, weiß ich allerdings nicht so genau: Alle Buchsen waren freigängig und nicht angegammelt, lediglich die Verzinkung einer Schraube war oxydiert und die kugelartige Lagerung war auch beweglich; anders federn tut's auf den ersten Blick auch nicht. Nicht ganz klar ist mir die Konstruktion der Knochen im Hinblick auf den Abstand zum Alu-Lagerträger (geht recht eng zu), auch schienen mir die Muttern übermäßig festgeknallt - evtl. haben sich auch die Innenseiten der Knochen am Träger gerieben (nach Art der alten Stoßdämpfer). Schwingenlager hab ich jetzt noch nicht gemacht, der Reifen hinten muss eh bald neu und man soll sich ja das Vergnügen einteilen.
Kennt jemand das Verschleißmaß der Kette? Wie messe ich die Längung?

Tschüs

Ingo

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